30 Euro/Woche: Tage 3 und 4

Wenn das Geld langsam ausgeht, ist gute Abstimmung notwendig;)

Freitag Nachmittag und Samstag Vormittag standen weitere Einkäufe an, und dann hatten wir auch schon alles bis auf etwa 20 Cent ausgegeben. Dafür hatten wir jetzt auch ein paar frische Sachen: Vor allem Kürbis ist im Herbst ein echtes Highlight. Außerdem habe ich Sojagranulat und Sojaschnetzel im „Wert“ von 2 Euro abgewogen (und aus dem Budget bezahlt) die wir noch zuhause hatten, damit wir nicht extra zu Nature’s Food nach Linden fahren müssen. Am Wochenende war auch etwas mehr Zeit, um richtig zu kochen, und Tahina hat mal wieder in der Küche gezaubert. Ein Kindergartenfreund von Matio hat von Samstag auf Sonntag bei uns übernachtet, aber Kinder sind ja eigentlich einfach zufrieden zu stellen: Nudeln, etwas Gemüse zum Abendessen, Toastbrot mit veganer Schokocrème (von der wir noch etwas zuhause hatten) zum Frühstück und sie waren zufrieden:)

Mittagessen am Samstag: Hauptsächlich Kombination von Resten vom Vortag, plus Fertig-Sauerkraut und Nudeln

Mittagessen am Sonntag: Endlich mal wieder Salat, und Nudeln mit Tomatensauce (passierte Tomaten, Zwiebeln, Paprika) geht eh immer!

Abendessen am Sonntag: Rosmarinkartoffeln und Sojahack in Currysauce mit Kürbis und Kartoffeln, dazu Reis und Reste vom Sauerkraut vom Vortag

Zutaten für die Kürbis/Karotten/Kartoffelsuppe

Eine glückliche Familie 😉

Experiment: Essen für 30 Euro/Woche

Nach der Definition der World Bank Group liegt „absolute Armut“ vor, wenn ein Mensch zum Leben weniger als 1,90 $ am Tag zur Verfügung stehen, das sind nach dem Wechselkurs von heute etwa 1,64 €. 10 Prozent der Menschheit leben noch immer in solchen Verhältnissen, auch wenn erfreulicherweise der Anteil der Weltbevölkerung in extremer Armut in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Der Großteil wird wohl Subsistenzfarmer sein, die in ihren ländlichen Strukturen zum großen Teil ohne Geld auskommen, denn anders stelle ich es mir schwer möglich vor, auf diese Weise dauerhaft zu (über)leben, wenn man an all die Kosten für Essen, Hygiene, Wohnen, Kommunikation, Mobilität und Bildung einbeziehe, die in einer modernen Gesellschaft so anfallen. Wir sind in Deutschland in der glücklichen Lage, weit weg von solchen Extremen zu sein, weswegen der Begriff der „absoluten Armut“ in Deutschland ja auch nicht wirklich verwendet wird. Statt dessen spricht hierzulande von relativer Armut, wenn weniger als 50% des Einkommens des Durchschnittsdeutschen zur Verfügung zum Lebensunterhalt zur Verfügung stehen. Nach dieser Definition muss eigentlich fast zwangsläufig irgendwer arm sein, was für die absolute Armut nicht gilt.

Reicht das für eine ganze Woche?

Ich weiß gar nicht genau warum, aber irgendwie finde ich es interessant auszuloten, wie „arm“ ich sein kann und trotzdem noch ein gutes und produktives Leben führen kann. Deswegen habe ich mir folgendes als Experiment überlegt: Für den Zeitraum von einigen Wochen von den oben genannten 1,90 $, also gut 1,60 € pro Person die täglichen Kosten für Ernährung zu bestreiten, und während dieses Zeitraums auf zusätzlichen Konsum (Drogerieartikel, Klamotten usw.) zu verzichten. Da in der Wohnung erstmal noch genug Klopapier, Seife und T-Shirts sind, sollte das kein großes Opfer sein. Tahina hat sich entschlossen, bei meiner seltsamen Idee mitzumachen, und so haben wir uns für zwei Erwachsene und unseren vierjährigen auf eine Gesamtbetrag von 30 Euro die Woche geeinigt, also knapp über 4 Euro am Tag. Unsere Miete, Strom, Internet usw. zahlen und nutzen wir natürlich weiter, weswegen unsere Gesamtausgaben und unser Lebensstandard natürlich auch mit diesen Einschränkungen deutlich höher liegt. Und natürlich können wir das Experiment jederzeit abbrechen, wenn es notwendig oder uns einfach zu unbequem wird, was ja ebenfalls ein erheblicher Luxus ist.

Los geht’s am 4. Oktober 2018. Am Vortag haben wir versucht, die meisten Reste aufzuessen, um nicht mit einem vollen Kühlschrank zu starten, aber eine perfekte Punktlandung ist natürlich nicht ganz möglich gewesen. So starten wir also in die erste Woche rein:

Die Äpfel sind selbstgepflückt, also eigentlich sowieso total erlaubt 🙂

Tahina hat am Vortag noch einen leckeren Apfelkuchen gebacken, der wird natürlich aufgegessen 🙂

Ein paar Kleinigkeiten aus dem Kühlschrank nehmen wir auch als „Startkapital“ mit rein in das Experiment

Ein paar Basics wie Salz, Gemüsebrühe und Leinsamen

Auf dem Balkon vegetieren noch einige Kräuter vor sich hin, von denen wir uns vor Einbruch des Winters großzügig bedienen können, und wir erlegen uns keine strengen Regeln auf, nicht auf der Arbeit oder zu Besuch den einen oder anderen Snack zu finden – solange es nicht einen großen Teil unserer Kalorien ausmacht.

In der Folge möchte ich berichten, wie es uns so dabei geht und was wir so konkret kochen.

Nachtrag: Hier alle Beiträge in chronologischer Reihenfolge:

Meistproduzierte Pflanzenöle

Gestern hatte ich eine einfache Tabelle zu der Frage: „Welches sind die am meisten produzierten Öle?“ gesucht und nicht gefunden. Also habe ich sie selbst zusammengestellt. Quelle dafür ist die Webseite der Food and Agriculture Organization der UN.

Die Daten sind von 2014, neuere gibt es dort zur Zeit nicht:

Öl/Pflanzenfett Produktion Mio t/Jahr (weltweit)
Palmöl 57,3
Sojaöl 45,7
Rapsöl 25,9
Sonnenblumenöl 15,8
Palmkernöl 6,6
Baumwollsamenöl 5,0
Erdnussöl 5,0
Maisöl 3,2
Kokusnussöl 3,1
Olivenöl 3,1
Sesamöl 1,6
Leinsamenöl 0,7
Distelöl 0,1

Palmöl (welches übrigens wie Kokusöl wohl eher als „Pflanzenfett“ als „Pflanzenöl“ bezeichnet werden soll, weil es bei Raumtemperatur fest ist) auf Platz eins der Liste zu sehen hätte ich erwartet. Sojaöl auf Platz zwei hingegen hat mich ziemlich überrascht. Schließlich hört man davon eigentlich nicht so viel, und im Supermarkt wird doch eher Rapsöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl gekauft. Offenbar wird ein Großteil der Produktion aber tatsächlich in der menschlichen Ernährung eingesetzt, überwiegend in Produkten wie Margarine, und wohl auch mehr in Amerika als bei uns in Europa. Naheliegend, wir haben schließlich viel mehr Rapsfelder als Sojabohnenfelder hierzulande. Ebenfalls überrascht hat mich in der Liste Baumwollsamenöl. Das ist ein Nebenprodukt aus der Baumwollherstellung und ebenfalls vor allem in den USA populär, in industriell „veredelten“ Lebensmitteln sowie als Insektizid. Es gilt allerdings als nicht besonders gesund und findet wohl tendenziell weniger Verwendung in der menschlichen Ernährung. Interessant auch, dass Olivenöl zwar in aller Munde ist, aber nur auf Platz 10 bei der weltweiten Produktion.

Günstige Vegane Proteinquellen

In meinem vorherigen Blogpost habe ich das Ergebnis von ein wenig Recherche zum Thema Protein und Aminosäuren zusammengetragen. Jetzt wird es etwas praxisnäher. Ich will mich damit befassen, welches eigentlich die günstigsten Eiweiß-Lieferanten sind. Diese Frage beschäftigt mich schon, weil ja oft der Eindruck erweckt wird, dass vegane Ernährung ein Luxus ist, den sich nur eine abgehobene Elite leisten kann. Deswegen wollte ich mal unterschiedliche Lebensmittel vergleichen, was den Wert Euro pro Gramm Protein angeht. Wie wir jetzt ja wissen, sind nicht alle Proteine genau gleich nützlich für den menschlichen Körper, deswegen habe ich ebenfalls den Wert PDCAAS (Protein Digestibility-Corrected Amino Acid Score) in die Tabelle aufgenommen. Das ist soweit ich das verstanden habe auch nicht wesentlich was anderes als die biologische Wertigkeit, nur irgendwie besser und exakter.

Zum Vergleich sind in der Tabelle ebenfalls einige besonders billige nicht-vegane Proteinquellen enthalten, wie etwa der Magerquark, Grundlage meiner Ernährung von etwa 18 bis 28…

Wenn man einfach nur Euro pro Protein ansetzt, sind die billigsten Lebensmittel auch die billigsten Proteinquellen, also Mehl, Nudel usw. Mit Nudeln etwa kann man eine 30g-Dosis Protein für unter 20 cent bekommen. Die haben allerdings auch ziemlich viele Kohlenhydrate, deswegen habe ich außerdem eine Spalte eingeführt, der den Anteil an Protein an den Gesamt-Kalorien aufzeigt. Wenn man also an „effizienten“ Proteinquellen interessiert ist, kann man sich an der Spalte orientieren.

Da ich das vorher nie durchgerechnet habe, war ich wirklich interessiert an dem, was ich aus der Tabelle ablesen könnte. Einige Erkentnisse:

  • Vegane Proteinquellen sind mitnichten grundsätzlich teurer als tierische. Und das obwohl sie das „Handycap“ haben, dass sie oft nur mit Bio-Siegel für eine deutlich kleinere Zielgruppe angeboten zu werden als etwa Quark, Milch und Eier aus Bodelhaltung. Sonst könnten gerade viele Soja-Produkte sicherlich nochmal günstiger sein.
  • Proteinpulver ist schon recht teuer – Soja-Granulat/Schnetzel hingegen als billige und kalorienarme Proteinquelle fast unschlagbar.
  • Hummus und Falafel sind einfach lecker. Daraus seine primäre-Proteinquelle zu machen ist jedoch wohl nicht die beste Idee.
  • Vegane Würstchen sind gar nicht so teuer, wie ich vorher gedacht hätte, z.B. im Vergleich mit Räuchertofu. Kann man schon mal machen:-)

So, hier geht’s zum Spreadsheet. Wenn ihr findet, dass da noch was fehlt, oder einen Fehler gefunden habt, lasst es mich wissen!

 

 

 

Proteine und Aminosäuren

Natürlich wurde ich auch schon öfter gefragt, wo ich denn (als Veganer, früher als Vegetarier) nun mein Protein herbekommen würde. Mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben, dass Protein nicht nur in tierischen Produkten vorhanden ist, aber im Durchschnitt ist es ja nun schon so, dass tierische Lebensmittel einen höheren Anteil an Protein haben als pflanzliche. Deswegen habe ich mich mit dem Thema mal ein bisschen befasst, will aber erstmal ein bisschen weiter ausholen. Da mein vierjähriger Sohn und ich ganz gerne Lego-Modelle aufbauen (bzw. er lässt bauen;-)), finde ich die folgende Analogie ganz passend:

Aminosäuren

Aminosäuren sind wie Legosteine, aus denen sich komplexere Strukturen wie Polizei-Hubschrauber oder Feuerwehrautos bauen lassen, oder im Fall von Aminosäuren eben Proteine. Einige Legosteine kann man notfalls durch andere ersetzen, wie z.B. aus zwei roten 2ern ein roter 4er gemacht werden kann. Andere sind halt essentiell, d.h. sie werden unbedingt gebraucht und können auch nicht aus anderen Bausteinen erstellt werden. Welche Aminosäuren essentiell sind, ist dabei nicht bei allen Organismen gleich. Menschen und Hunde können etwa die Aminosäure Taurin selbst herstellen, während Katzen sie zwingend über die Nahrung aufnehmen müssen. Da es kaum vegane Taurin-Quellen gibt, ist eine vegane Ernährung für Katzen wohl irgendwo zwischen unmöglich und sehr schwierig (nicht mein Thema…). Für den Menschen gibt es acht essentielle Aminosäuren, die ich nicht auswendig weiß, aber natürlich abschreiben kann:

  • Phenylalanin
  • Valin
  • Threonin
  • Tryptophan
  • Isoleucin
  • Methionin
  • Leucin
  • Lysin

Es gibt 20 verschiedene proteinogene Aminosäuren, also AS die als Bausteine für Proteine geeignet sind. Insgesamt gibt es noch deutlich mehr Aminosäuren, aber die sollen hier keine Rolle spielen, so wie Duplos, Playmobil und Fischer Technik hier keine Rolle spielen;-) Aus dieser relativ kleinen Menge an Bausteinen lassen sich hunderttausende Verschiedene Proteine zusammenbauen, die im Organismus die verschiedensten Rollen haben, z.B. als Zellbausteine, Hormone oder zum Transport von Sauerstoff. Wenn wir Nahrung zu uns nehmen, ist der Körper an diesen Bausteinen interessiert, nicht an den Proteinen. Also egal ob Polizeihubschrauber oder Raketenwagen, das Modell wird in seine Einzelteile zerlegt und zu neuen Modellen zusammengebaut. Oder eben: Solange die benötigten Aminosäuren vorhanden sind, ist es egal ob sie vorher in einem Adrenalin-Molekül oder in der Zellwand einer Gurke gesteckt haben.

Wo kommen Aminosäuren her?

Wie oben bereits angedeutet, können Tiere (einschließlich Menschen) zu einem gewissen Maße aus bestehenden Aminosäuren andere Aminosäuren bilden, z.B. Taurin aus Cystein. Aminosäuren aber komplett neu zu erschaffen, dass können im Wesentlichen nur Pflanzen, Pilze und Bakterien. Dazu ist es notwendig, den im Überfluss in der Luft vorhandenen Stickstoff in chemischen Verbindungen festzuhalten. Dieser Prozess nennt sich Stickstofffixierung, und wird in der Natur durch einige Mikroorganismen oder Verbrennung und in der industriellen Landwirtschaft durch den Haber-Bosch-Prozess ermöglicht. Alle Aminosäuren bestehen aus unterschiedlichen Kombinationen der vier Elemente Sauerstoff (O), Wasserstoff (H), Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N). Stickstoff ist dabei das wesentliche Merkmal, denn die anderen drei Elemente finden sich auch in Zucker oder Fettsäuren.

Aus oben genanntem Grund ist es auch in der Regel nicht so effizient, den Bedarf an Aminosäuren über den Verzehr von Tieren zu decken. Diese haben, in einem natürlich verlustbehafteten biochemischen Prozess, ihre Proteine ja zum größten Teil aus Pflanzen-Proteinen (zuzüglich Aminosäuren, die durch Bakterien im Darm von Grasfressern synthetisiert werden) zusammengebaut. Statt dessen kann man auch direkt zur Quelle gehen – so halte ich das jedenfalls.

Biologische Wertigkeit

Die Menge und Zusammensetzung der benötigten Bausteine hängen zu einem bestimmten Maß natürlich davon ab, ob man nun zufällig ein Gewichtheber, Couch Potato, ein Hamster oder eine Kartoffel ist. Es ist wenig überraschend, dass das Aminosäure-Profil in relativ eng mit uns verwandten Schweinen und Kühen näher an dem von Menschen ist, als z.B. das Aminosäuren-Profil von Weizenpflanzen oder Kichererbsen. Über diese Nähe beziehungsweise die Nützlichkeit für den Menschen des Aminosäuren-Mix in unterschiedlichen Lebensmitteln soll der Wert der „Biologischen Wertigkeit“ Auskunft geben. Nach Definition wird da das Verhältnis vom Stickstoff der im Körper verwendet wird zur Menge an Stickstoff, die ihm zugeführt wird, gemessen. Dabei dient die biologische Wertigkeit vom Ei als Referenz (Wert 100). Eine Definition bzw. Umrechnung bezüglich der einzelnen Aminosäuren habe ich dabei bisher nicht finden können. Trotzdem erscheint es mir intuitiv einleuchtend, dass eine Proteinquelle nur so gut sein kann, wie durch die in geringster Konzentration vorliegende essentielle Aminosäure vorgegeben. Blöd formuliert, versuche ich es mal wieder mit der stark vereinfachten Lego-Analogie:

Nehmen wir an, ich möchte ein Modell (Protein) bauen, für das ich weiße Legos und rote Legos im Verhältnis 2:1 brauche.

Durch das Auseinanderbauen eines Modells, dass mein Freund Benny Brot gebaut hat, kann ich allerdings nur Steine im Verhältnis 1:1 gewinnen. Um meinen Bedarf an weißen Legos zu decken, muss ich also die doppelte Menge an Benny Brots‘ Legosteinen (Proteinen) verbrauchen.

Lenny Linse hingegen hat Bausteine im Verhältnis 5:2 verbaut, was schon besser ist, hier verbrauche ich vierzehn Legos aus seinem Modell, um 12 Steine nutzen zu können.

Sonja Soja hat ihr Modell mit dem gleichen Verhältnis 2:1 gebaut, wodurch ich genau den Mix habe, den ich brauche.

Beim Protein spricht man spricht in so einem Fall von einem „vollständigen Protein“. Wenn ich die Modelle (Proteine) von Linse und Brot allerdings im richtigen Verhältnis kombiniere, kann ich in der Summe auch ohne überflüssige Legosteine auskommen, also ebenfalls quasi ein „vollständiges Protein“ bekommen.

Soweit mir bekannt enthalten Pflanzen alle essentiellen Aminosäuren, nur in einem anderen Verhältnis als für uns optimal wäre. Deswegen macht es viel Sinn, möglichst mehrere Proteinquellen (auch Lebensmittel genannt) über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, so dass sie sich gut ergänzen. Getreide und Hülsenfrüchte zu kombinieren (etwa Bohnen mit Reis) ist dabei ein bekannter Klassiker. Wenn man das nicht tut, muss man halt entsprechend mehr essen, um seinen „Proteinbedarf“ zu decken. Darüber, wie hoch der ist, gehen die Meinungen auseinander — ich maße mir nicht an, die Antwort darauf zu wissen. Wenn man die ambitionierten Eiweiß-Empfehlungen für „Sportler“ aus dem Internet erreichen möchte, macht es wohl Sinn, sich häufiger Soja-Produkte wie Tofu, Tempeh oder Sojaschnetzel zu gönnen. Ich für meinen Teil esse beinahe täglich eines dieser Produkte – Gemüse ist mein Gemüse, aber Soja ist mein Fleisch 😉

Fasten

Nachdem ich einiges darüber gehört hatte, dass der temporäre komplette Verzicht auf Nahrung gesund sein sollte, wollte ich das nun selbst mal wirklich ausprobieren. Konkrete Krankheiten, die ich damit heilen wollte gab es nicht, diese Form  Auf dem Kalender hatte ich mir die Woche vor Ostern rausgesucht, das passt ja ganz gut mit der christlichen Tradition hierzulande und außerdem sollten potentiell weniger Termine während der Schulferien anstehen, so wenigstens die Überlegung.

In der Bücherei habe ich mir einige Bücher zu dem Thema ausgeliehen. Ich wollte es im Rahmen meiner Möglichkeiten „richtig“ machen, habe letztendlich dann aber viele der Ratschläge in den Wind geschlagen. Viele Dinge in diesen Büchern kamen mir doch etwas zu esoterisch vor, oder erschienen mir nicht praktikabel.

Während der Fastenzeit habe ich „ganz normal“ zuhause gelebt, hatte mir halbtags Urlaub genommen (was irgendwie nicht gut geklappt hat, habe irgendwie ich sieben Stunden am Tag im Büro verbracht…) um mehr Zeit zu haben und um vermeintlich gesunkene Produktivität auszugleichen. Das war im Nachhinein nicht wirklich so toll, denn so ein Halb-Urlaub ist für die Kollegen unberechenbar und hat mir in der Form auch keine Erholung gebracht. Ich habe festgestellt, dass ich auch im Energiesparmodus durchaus meinen Job machen kann, wenn ich mich dabei auch nicht besonders toll fühle. Mein Programm habe ich ohne Gruppe oder Anleitung durch eine andere Person durchgezogen.

Aber nun mal konkret: Was habe ich gemacht? Der offenbar gängigen Praxis folgend habe ich einen „Entlastungstag“ gemacht, wo es schon deutlich weniger zu essen gab, dann fünf strenge Fastentage ohne feste Kost (aber mit Säften, Tees, Gemüsebrühe) gefolgt von zwei „Aufbautagen“, an denen der Körper langsam wieder an feste Nahrung gewöhnt werden soll. Durch das Schlucken von abführendem Glaubersalz am ersten Fastentag wird der Magen/Darm praktisch leergespült, so dass Hunger vor allem zum Ende der Fastenzeit kein so großes Problem war. Auf die in der Literatur empfohlenen Einläufe habe ich hingegen verzichtet, das kam mir ehrlich gesagt einfach eklig vor.

Und, wie lief’s?

Ich halte mal ein paar Beobachtungen in Stichpunkten fest:

  • Erwartungsgemäß habe ich Gewicht verloren. Von 64,7 kg auf auf 61,3. Damit bin ich ziemlich genau auf einem BMI von 20, am unteren Ende des „Normalgewichts“.
  • Ich habe während der gesamten Fastenzeit definitiv weniger Energie gehabt, insbesondere für körperliche Anstrengungen. Im Nachhinein hätte ich vielleicht öfter Fruchtsäfte trinken sollen, um mit dem Zucker wieder ein bisschen Energie reinzubringen.
  • Entgegen den durch die Literatur geweckten Erwartungen sind große spirituelle Erkentnisse oder auch nur verstärktes Empfinden größtenteils ausgeblieben. Allerdings muss man sagen, dass ich denen durch die weiterhin starke Einbindung im Alltag auch kaum Zeit gegeben habe.
  • Ich habe tatsächlich viele Träume gehabt, an die ich mich am nächsten Tag auch noch erinnern konnte, was mir sonst kaum passiert. Das ist wohl ein durchaus üblicher Effekt beim Fasten
  • Tahina hat bei mir einen sehr pentranten Mundgeruch festgestellt – den ich selbst kaum wahrnehmen konnte. Dafür aber hartnäckiger Belag auf Zunge und Zähnen
  • Wesentliche Erkenntnis: Fünf Tage nichts essen ist tatsächlich möglich. Es ist nicht so, dass ich die ganze Zeit Hunger leide, der Körper findet sich recht schnell damit ab, dass es nichts gibt und geht auf Sparflamme runter. Dieser „Energiesparmodus“ hat sich für mich allerdings meistens nicht so gut angefühlt, obwohl es immer wieder Zwischenhochs gab.
  • Am Ende der Fastenzeit war ich wahnsinnig froh, wieder Essen zu dürfen. Deswegen gehe ich die Aufbautage auch etwas entspannter an und schränke mich nicht mehr zu sehr ein, auch wenn ich (vergeblich ;-)) versucht habe, mich nicht gleich zu überfressen

Fazit: In der gewählten, strengen Form würde ich das nicht nochmal machen, solange nicht medizinsch indiziert. Gelegentlich gesetzt „Entlastungstage“ mit nur sehr wenig leichter Kost oder der gelegentliche Verzicht auf Essen vom Mittagessen bis zum nächsten Morgen würde ich aber schon ins Auge fassen. Und Zeit für mehr Achtsamkeit, innere Stimmen usw. könnte ich mir irgendwann mal nehmen, ohne das mit Fastenritualen verknüpfen zu müssen…

Miteny Malagasy App

Ich „veröffentliche“ hiermit eine weitere App zum Thema „madagassisch“. Ich bin wohl der einzige aktive Nutzer dieser App, aber symbolisch finde ich es trotzdem wichtig, sie offiziell herauszugeben.
Seit Herbst 2016 hatte ich diese App nun schon als Projekt nebenher laufen..oder eher herumliegen. Ich merke, dass die Motivation fehlt, da weiter dran zu entwickeln, obwohl sich bei Menüführung, Design und Features sicherlich noch einiges machen ließe. Jetzt ist es halt fertig, weil ich es so sage 😉

https://play.google.com/store/apps/details?id=de.panschk.mitenyMalagasy

Die gleiche Anwendung lässt sich auch direkt im Browser verwenden, siehe hier: http://www.panschk.de/mitenyMalagasy

Stromverbrauchsmessung

Letzte Woche flatterte unsere Strom- und Gasrechnung rein, und offenbar ist unser Verbrauch im Vergleich zu Vorjahr erheblich gestiegen. Da fragte ich mich schon, woran das liegen kann und habe mal recherchiert, wie man den Strom einfach und kostengünstig messen kann. Wie sich herausstellt, muss man dafür nicht mal etwas kaufen, bei enercity kann man etwa als Kunde ein Messgerät für eine Woche kostenlos ausleihen, und sowas ist wohl auch bei anderen Energieversorgern üblich.

Letzten Samstag sind wir also zum Enercity-Kundencenter am Kröpcke gefahren und haben so ein Gerät mal ausgeliehen. Die Verwendung ist wirklich einfach, weswegen ich darauf nicht weiter eingehen muss: Man schaltet das Gerät einfach zwischen Steckdose und Verbraucher. Leider lässt es sich für den Herd (Starkstromanschluss) und die Deckenleuchter (hängen nicht an der Steckdose) nicht verwenden. Also dann zu den Messergebnissen! Die folgenden Erkenntnisse sind wahrscheinlich für niemanden außer mich interessant, aber das hindert mich nicht daran sie hier mal festzuhalten:

  • Der Kühlschrank ist einer der Haupt-Verbraucher in unserem Haushalt. 1,3 kWh pro 24h habe ich gemessen, das macht also etwa 142 € im Jahr! Ich habe dann nochmal 24h gemessen, dann kam ich auf nur 0.86 khW. Es hängt also wohl stark davon ab, wie oft man den aufmacht und was man alles rein tut. Beim Wetter gab es keinen großen Unterschied – wir haben zur Zeit „Sommer“, aber besonders warm ist es nicht…
  • Einmal Spülmaschine im „Eco“ Programm kostet etwa 25 ct. Das ist immerhin deutlich weniger als im schnelleren „Auto“ Modus, bei dem die Stromkosten sogar bei 40 ct liegen. Die Waschmaschine ist im Vergleich etwas sparsamer, einmal Wäsche waschen bei 40° kommt auf 0,64 kWh, also knappe 20 ct.
  • Die meisten Geräte die scheinbar nichts tun wenn sie nicht im Betrieb sind (Waschmaschine, Toaster etc.) ziehen dann auch tatsächlich keinen Strom. Bei uns gab es folgende Ausnahmen:
    • Mikrowelle (mit Uhr): 0,9 W,  also etwa 2 € im Jahr
    • Lautsprecher-Boxen: 0,5 W
    • Fernseher: 0,4 W
    • Drucker: 0,4 W
  • Handy laden kostet fast nichts – weniger als 1 ct, also auch auf’s Jahr gerechnet maximal ein paar Euro
  • Den Herd konnte ich ja nicht messen. Von den anderen Haushaltsgeräten hat der Wasserkocher (2150 W) und die Mikrowelle (1300 W) die höchste Leistung.
  • Bei unserem Staubsauger macht es nur einen geringen Unterschied, ob er mit maximaler (800 W) oder minimaler (600 W) Stufe läuft. Also dann besser gleich aufdrehen:-)
  • Ob wir beim Fernseher gerade ein Video ansehen oder nur in einem Menü navigieren macht überhaupt keinen Unterschied. (54 W)

Als Berechnungsgrundlage gehe ich von runden 30ct/kWh aus, was ziemlich genau am aktuellen Preis dran ist. Die Entwicklung der Preise der letzten Jahre kann man hier nachvollziehen:

 

Quelle: BDEW-Strompreisanalyse Mai 2017

 

Nachtrag zu veganer Ernährung

Nachdem ich mit meinem Bruder Simon über den Gesundheits-Aspekt von veganer Ernährung gesprochen habe und außerdem das Buch „The Vegetarian Myth“ von Lierre Keith gelesen habe, würde ich den vermeintlichen Health-Benefit von veganer Ernährung wohl noch etwas vorsichtiger formulieren.

Egal ob Rohköstler, Veganer oder Paleo-Anhänger, alle werden sich wohl einig darüber werden können, dass viel Gemüse zu essen gut ist, und dass große Mengen Zucker ungesund sind. Das wussten bereits unserer Großmüttter. Darüber hinaus wird es dann schon schwierig, da sich für alles Artikel, Blogposts, Studien und Gegenstudien finden lassen. Welche man dabei für glaubwürdig hält und welche für unseriöse Propaganda, ist wohl sehr vom eigenen Weltbild abhängig – Stichwort fake news. Auch ich bin für diesen Effekt nicht immun. Wenigstens versuche ich mich jetzt bewusster auch mit gegensätzlichen Meinungen auseinander zu setzen.

Das gerade angesprochene Buch „The Vegetarian Myth“ von einer ehemaligen Veganerin, die große gesundheitliche und auch ethische Probleme hatte und letztendlich zu einer offenbar fleischreichen Ernährung zurückgekehrt ist, hat mich insgesamt nicht von der Überlegenheit von tierischer Ernährung überzeugt, auch wenn sie durchaus Lücken in die moralische Argumentation der typischen Vegan-Propaganda reißt. Es werden letztendliche keine überzeugenden Alternativen aufgezeigt, um Tierleid und Umweltsünden wenigstens zu reduzieren. Als Haupt-Bösewicht sieht sie, statt die Fleisch- und Milchwirtschaft, Big-Corn, also die Saatguthersteller, Produzenten und Lobbyisten für Getreide. Mit veganer Ernährung wäre es nicht möglich, auf Getreide und Soja und den Konsum bodenschädigender einjähriger Nutzplanzen zu verzichten. Vieles davon ist wohl richtig und bringt einem zum Nachdenken, weswegen ich das Buch inbesondere Vegetariern/Veganern durchaus empfehlen kann.

An vielen Punkten macht sie sich mit inkonsistenter Argumentation angreifbar. Die Strategie, möglichst viele mehr oder weniger seriöse Argumente zu platzieren, in der Hoffnung, dass irgendwas hängen bleibt, kommt mir ja durchaus bekannt vor, schließlich passiert auf „meiner“ Seite genau das gleiche:)

Vegane Ernährung

 

Mit zwischenzeitlichen Aussetzern bin ich jetzt seit etwa einem halben Jahr dabei, mich (nicht ganz perfekt) vegan zu ernähren. Dieses letzte Quäntchen hin dazu komplett „perfekt“ vegan zu sein werde ich wahrscheinlich nie schaffen, aber dazu vielleicht später mehr.

Ich habe vor, in diesem und einer Serie folgender Beiträge meine Beweggründe und Erfahrungen weiter auszubreiten. Mal sehen, ob ich es schaffe das auch wirklich mal zu Ende zu bringen oder ob auch dieses Vorhaben nur halbfertig liegen bleibt, neben diversen angefangen App-Ideen, meinem nach einem Semester abgebrochenen Wiwi-Studium, anderer Blog-Serien usw;-)

Bevor ich loslege noch der obligatorische Hinweis, dass ich nur meine eigene Meinung und Erfahrungen vertrete, nicht die Weisheit für mich gepachtet habe und gerne auch noch dazu lerne.

Gründe für vegane Ernährung

Vegetarisch ernähre ich mich schon seitdem ich ein Kind bin, wobei ich weder den genauen Zeitpunkt noch die damaligen Gründe noch genau in Erinnerung habe. Es war wohl hauptsächlich Ekel bei der Vorstellung, tote Tiere zu essen. Diesen Grund finde ich eigentlich weiterhin ziemlich nahe liegend, aber mittlerweile fallen mir auch noch ein paar mehr ein:-)

Tierleid

Ein anderes Lebewesen zu töten, um sein Fleisch zu essen, ist ziemlich offensichtlich nicht besonders nett, solange man diesem Lebewesen nicht die Fähigkeit zum Empfinden von Schmerz und Gefühlen abspricht. Im Fall der wichtigsten Nutztiere wie Schweinen, Rindern und Hühnern wird das wohl kaum jemand tun. Trotzdem werden diese Tiere in viel zu engen Stallungen gehalten, mit Rekordtempo auf Schlachtgewicht gebracht und schließlich „am Fließband“ umgebracht, damit Menschen das Fleisch dieser Tiere essen können. Aus meiner Sicht steht der hedonistische Nutzen (Lustgewinn, Geschmack…), den der Mensch durch den Verzehr dieses Fleischs hat in keinem Verhältnis zu dem Leid, dass er bei dem Tier damit verursacht. Wäre Fleisch für die menschliche Ernährung tatsächlich notwendig, wäre das eine andere Sache, das wird wohl kaum jemand ernsthaft behaupten.

Pig – James F Clay

Als Vegetarier war ich allerdings bisher nicht konsequent, wenn es darum ging durch meine Ernährung ausgelöstes Tierleid soweit möglich zu vermeiden. Schließlich werden auch Milch und Eier nicht hergestellt, ohne Tiere dabei zu quälen und zu töten:

  • Jedes zweite Küken das schlüpft ist ein Männchen, und die legen keine Eier – folglich haben sie in der industriellen Landwirtschaft keinen Wert. Also werden diese gelben Federbällchen gleich nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert
  • Genau wie Frauen geben Kühe nicht einfach so Milch, erstmal müssen sie ein Baby bekommen. Damit die Milchproduktion nicht versiegt, werden die Tiere jedes Jahr erneut künstlich befruchtet. Diesen Vorgang als Vergewaltigung zu bezeichnen ist meines Erachtens nach nicht abwegig. Und da wir die Milch, die die Natur ja eigentlich für Kälber vorgesehen hat, selbst trinken möchten, muss das Kalb möglichst bald nach der Geburt von seiner Mutter getrennt werden. Ich bin kein Fachmann in Tierpsychologie, aber es erscheint mir intuitiv, dass das zu erheblichen emotionalem Leid bei Mutter und Kind führt.
  • Grundsätzlich werden die Tiere auf viel zu engem Raum gehalten, schließlich ist das maximal effizient – solange man das Wohlbefinden der Tiere nicht als Faktor sieht. Das führt natürlich dazu, dass die Tiere kein artgerechtes Leben führen können. Und genauso grundsätzlich wird in der industriellen Landwirtschaft ein Tier, dass nicht mehr produktiv ist, getötet. Eine Legehenne oder Milchkuh bekommt keine Rente.

Care – Victor U on Flickr

Klimaschutz und Ressourcenverbrauch

Ziemlich intuitiv ist klar, dass es effizienter ist, wenn ich selbst Mais oder Sojabohnen esse, statt diese an andere Tiere zu verfüttern und dann ihr Fleisch, ihre Milch oder ihre Eier zu essen. In einer Welt mit endlichen Ressourcen ist das ein wichtiges Argument gegen die allermeisten Ausprägungen der Nutztierhaltung. Die individuelle Klimabilanz und der Wasserverbrauch jedes einzelnen Konsumenten hängt sicherlich auch davon ab, was man genau zu sich nimmt. Wenn man sich von Flugobst, großen Mengen an z.B. Mandeln oder exotischen Superfoods ernährt, ist es wohl möglich auch als Veganer ein ganz schlimmer Umweltsünder zu ein, aber durch den Verbrauch von Tierprodukten fällt das nochmal deutlich leichter. Laut einer Einschätzung der Organisation Worldwatch ist die Nutztierhaltung für die Hälfte aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Hinzu kommt der Ausstoß von klimaschädlichen Methangas durch Kühe, die hohe Nitratbelastung in Boden und Grundwasser in Regionen mit viel Nutzttierhaltung (Zum Beispiel im westlichen Niedersachsen) und die Problematik, dass in der intensiven Nutztierhaltung die Antibiotika in Rauen Mengen gegeben werden, was zu resistent Erregern führt, die früher oder später auch auf den Menschen überspringen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt etwa:

Im Rahmen der Lebensmittelgewinnung können resistente Keime aus der Tierproduktion auf Lebensmittel, z.B. Fleisch oder Milch, übertragen werden. Über Lebensmittel, aber auch durch direkten Tierkontakt, können resistente Erreger auch zum Verbraucher gelangen und unter Umständen Infektionen beim Menschen auslösen.

Multiresistente Keime sind ein wirkliches Problem, an dem jetzt schon hundertausende Menschen sterben. In Wikipedia steht zu Thema Antibiotika etwa:

Die Zahl der jährlich neu auf den Markt kommenden Antibiotika geht kontinuierlich zurück. Dies ist als bedenklich anzusehen, da andererseits Antibiotikaresistenzen ständig zunehmen.

 

Ernährungsgerechtigkeit

In einer Welt, in der immer noch Menschen hungern, ist es schwer zu rechtfertigen, wenn Nahrungsmittel, oder auch die Fläche, die zur Produktion von Nahrungsmitteln dienen könnte, zur ineffizienten Produktion von Luxusgütern wie Fleisch verwendet wird, statt direkt denen zu Gute zu kommen, die Hunger leiden. Nun ist mir bewusst, dass dieses Verteilungsproblem viele Ursachen hat und keine ganz einfachen Lösungen, aber trotzdem bin ich überzeugt, eine Reduktion des Fleischverbrauchs auch hier eine Verbesserung bringen würde.

Gesundheit

Gute moralische Gründe für vegane Ernährung zu finden ist nicht schwer, aber deswegen seiner eigenen Gesundheit zu schaden, das ginge sicherlich den meisten Leuten zu weit. Ich selbst bin natürlich auch kein Märtyrer und hoffe, ein möglichst langes und gesunden Leben führen zu können. Zum Glück gibt es hier, soweit ich meiner Recherche und (bisheriger) persönlicher Erfahrung glauben kann, keinen Interessenskonflikt.

Es stimmt, dass einige wichtige Nährstoffe wie Vitamin B12, EPA&DHA oder Vitamin D über eine rein pflanzliche Ernährung schwerer zu bekommen sind. Aber erstens ist es nicht so, dass man als Omnivor zwangsläufig frei von Mangelversorgung ist, und zweitens kann man ja fehlende Vitamine oder Spurenelemente über Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Vor kurzem habe ich jedenfalls einen Bluttest beim Hausarzt machen lassen und der kam ohne Auffälligkeiten zurück. Die Kosten wurden komplett von der Krankenkasse übernommen.

Das Argument mit dem Mangel an dem einen oder anderen Vitamin führt die vegane Ernährung aber in die Defensive, Zeit für einen Tempogegenstoß! Die Schädlichkeit vieler tierischer Produkte ist teilweise erwiesen, teilweise ist die Beweislage noch unklar – eine Auswahl:

Bei der Frage „Ist Fleisch/Mich/Ei gesund?“ bekommt man diverse, sich widersprechende Meinungen, persönliche Erfahrungen, wissenschaftliche Studien und Medienberichte. Was soll man glauben?

Veganes Büffet bei Tahinas Taufe

Bei den gesundheitsbezogenen Informationen neige ich, mit einer gewissen Skepsis, eher den Argumente der Pro-Vegan Fraktion zu folgen. Einerseits sicherlich, weil man grundsätzlich empfänglicher ist für Argumente, die der eigenen Sichtweise entsprechen. Andererseits glaube ich schon, dass an dem Argument was dran ist, dass die Fleisch-/Milch-/Aggrar-Lobby ihre Finger im Spiel hat, indem zum Beispiel wissenschaftliche Studien direkt von Milch- oder Fleischproduzenten finanziert werden, so dass von unabhängiger Wissenschaft bei vielen Studien nicht wirklich gesprochen werden kann. Eine vergleichbar mächtige und finanzstarke Interessensgruppe gibt es auf der „Gegenseite“ meiner Einschätzung nach nicht.

Durch eine vegane Ernährung isst man natürlich nicht automatisch gesündere Lebensmittel. Aber wenn man nicht auf eher ungesunde „Ersatzprodukte“ (veg. Käse, Wurst, usw.) sondern auf viel Gemüse setzt, isst man sicherlich besser als die meisten Allesesser. Ich zumindest fühle mich gesünder und habe seit meiner Ernährungsumstellung auch ein paar Kilo abgenommen. Aber jetzt ist auch gerade Sommer, es kann auch einfach daher kommen. Also beobachte ich das lieber noch weiter bevor ich mich zu großen Aussagen verleiten lasse. Mehr zu meiner persönlichen Erfahrung ist weiteren Posts geplant.

Moralische Überlegenheit

Nach all den hochtrabenden Argumenten, warum der Verzicht auf tierische Lebensmittel so gut ist, kommt das folgende Argument nicht ganz so edel daher: Ich möchte lieber auf der richtigen Seite der Geschichte sein, sozusagen lieber MLK als KKK. Wer weiß ob die Zukunft wirklich so aussieht wie in der Mockumentary Carnage dargestellt, aber so abwegig erscheint es mir gar nicht. Es fühlt sich gut an, wenn die eigenen Wertvorstellungen und Handlungen zumindest in diesem Aspekt meines Lebens zueinander im Einklang stehen – es gibt schließlich noch genug andere Baustellen, in denen ich ein besserer Mensch werden kann. Und ich gebe es zu, manchmal fühle ich ein gewisses Gefühl von Überlegenheit, wenn ich durch das Fenster auf die dicken, dummen und grausamen Menschen im Burger King oder KFC blicke. Das kannst Du auch!

Okay, vielleicht hätte ich diesen Aufruf an einer anderen Stelle platzieren können 😉 Aber Tatsache ist, weniger tierische Produkte zu sich zu nehmen den meisten von uns gut tun und unserem blauen Planeten ganz sicher. Ob man dabei versucht einfach den Konsum zu reduzieren oder ganz radikal jegliche tierische Produkte ablehnt ist eine Entscheidung die jeder selbst treffen muss. Ich persönlich finde es oft einfacher, klare Regeln (zum Beispiel „Zuhause wird nur vegan gekocht“) aufzustellen, anstatt bei jeder Mahlzeit neu mit mir zu ringen. Wie Tahina und ich uns da geeinigt haben und wo und wann ich selbst Kompromisse mache, dazu schreibe ich später nochmal etwas.

Ein Film, der uns beide sehr motiviert hat, heißt Hope for All und ist deutlich besser, als der käsige Titel vermuten lässt. Gibt es u.A. bei Amazon Prime.